Die Mehrzahl der Passagiere an Bord waren Libanesen: 54 der insgesamt 90 Opfer kamen aus dem Libanon. Zehntausende Libanesen pendeln regelmäßig zwischen ihrer Heimat und verschiedenen Ländern in Westafrika, wo sie als Ingenieure, IT-Fachkräfte und Manager arbeiten. Fast jede Familie hat mindestens einen Sohn, Cousin, Onkel, der in Afrika arbeitet und Geld nach Hause schickt.
Flugzeugabstürze haben in ihrer Grausamkeit etwas brutal Egalitäres. So auch dieser. Unter den Toten: Ein sehr wohlhabender südlibanesischer Geschäftsmann, ein Vorstandsmitglied eines einheimischen Fernsehsenders, die Frau des französischen Botschafters im Libanon. Und viele namenlose Haushaltshilfen aus Äthiopien, die als "maid" in eben solchen wohlhabenden Familien arbeiten, putzen, die Kinder hüten, kochen, einkaufen und allenfalls alle paar Jahre einmal nach Hause fliegen.
Noch immer wird das Meer von Beirut gen Süden nach Flugzeugteilen, der Black Box und nach den sterblichen Überresten der Opfer abgesucht. Launisch entscheidet das Schicksal, wer gefunden, geborgen, beerdigt wird und wer nicht.
Der reiche Geschäftsmann aus dem Südlibanon wurde in seinem Heimatdorf beigesetzt. Er wurde gefunden und konnte identifiziert werden, weil er seinen Reisepass am Körper trug.
Die Suche nach den anderen geht weiter. Von Anfang an bei den Rettungsarbeiten dabei waren die beiden deutschen Marineschiffe Laboe und Mosel, die im Rahmen ihres UNIFIL-Mandats vor der libanesischen Küste liegen. Für die deutschen Soldaten ist es bereits der zweite Katastropheneinsatz binnen kurzer Zeit: Als im Dezember vor der libanesischen Küste ein unter panamesischer Flagge fahrender Frachter mit 83 Personen an Bord sank, eilten sie ebenfalls sofort herbei. Anders als bei dem Flugzeugabsturz konnten die deutschen Soldaten aus dem Schiffswrack tatsächlich viele Überlebende retten.
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